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Obstwein III (Melonen bis Rhabarber)

  1. Melonen- oder Kürbiswein
  2. Melonen-Bananen-Wein
  3. Mirabellenwein
  4. Orangenwein
  5. Pfirsichwein
  6. Pflaumenwein
  7. Preiselbeerwein
  8. Reineclaudenwein
  9. Reiswein oder Getreidewein
  10. Rhabarberwein

1. Melonen- oder Kürbiswein

Die Honigmelone ist eine Wintermelone. Das saftig-süße Fruchtfleisch ist grün-gelb. Pro Liter Wein benötigt man ca. 1,5kg ungeschälte Melonen. Honigmelonen eignen sich hier geschmacklich am besten. Dabei gewinnt man letztendlich aus etwa 1kg Fruchtfleisch von 1,5kg Melonen ca. 750ml Saft. Ferner benötigt man pro Liter Wein noch 250g Zucker, 0,4l Wasser, 7g Milchsäure (80%ig), 2ml Antigel, 0,5 Tabletten Hefenährsalz (0,4g), 0,1g Kaliumpyrosulfit und Reinzuchthefe (Rasse Sauternes oder Portwein). Die Melonen schälen und dabei auch den harten, inneren Schalenanteil (mit nur wenig Flüssigkeit) entfernen. Je nach Melonenart beträgt der geschälte Abfall 30 bis 38%. Alternativ zur Melone kann man auch den ihr sehr nahe verwandten Kürbis zur Weinbereitung verwenden. Den Fruchtanteil in kleine Würfel schneiden und pro kg 2ml Antigel zusetzen. Alles gut miteinander vermischen und nach einer Einwirkzeit von 5 Stunden abpressen. Wenn man nicht abpreßt, gibt man die übrigen Zusätze dazu und vergärt als Maische. Die ideale Gärtemperatur beträgt 20°C, höhere Temperaturen gehen zu Lasten der Fruchtigkeit des Weines. Nach Ende der Gärung (es bilden sich keine Gasblasen mehr im Gärrohr) wird der Wein vorsichtig mit dem Gummischlauch von oben in ein zweites Gefäß abgezogen (1. Abstich) welches vollständig gefüllt wird. Der Wein wird jetzt mit 0,1g Kaliumpyrosulfit pro Liter geschwefelt. Nachdem sich die Trübstoffe abgesetzt haben (Klärung des Weines) erfolgt das neuerliche Abziehen (2. Abstich).

2. Melonen-Bananen-Wein

So wie die Kombination aus Honigmelone und Banane auch sehr gut im Obstsalat schmeckt, kann man auch einen Wein aus beiden Früchten gemeinsam ansetzen. Dieser Wein hat einen süß-fruchtigen Charakter, der mit durch die Gärung abnehmende Süße trotzdem einen geringen Säuregehalt hat und geschmacklich einem milden Weißwein nicht unähnlich ist und auch so aussieht. Um diesen Wein herzustellen, benutzt man einfach einen Mittelwert aus den Rezepten für Melonen- und Bananenwein. Die Maische schäumt sehr hoch auf, daher ist es unbedingt zu vermeiden, den Gärbehälter mehr als zur Hälfte zu befüllen.

3. Mirabellenwein

Die Herstellung von Mirabellenwein kann bei sehr saftigen Früchten auch als Saftgärung erfolgen, ansonsten als Maischegärung. Man benötigt pro Liter Ansatz etwa 1kg Früchte, 330ml Wasser, 450g Zucker, 2,5g Zitronensäure, 1,5ml Antigel (nur bei Maischegärung), 0,15g Hefenährsalz und Hefe (Reinzuchthefe Portwein). Die Gärung erfolgt analog zu anderen Rezepten, je nachdem ob eine Saft- oder eine Maischegärung durchgeführt wird. Die Steine dürfen nicht beschädigt und müssen entfernt werden. Mirabellen sind bei der Weinherstellung recht kritisch. Zum einen klärt sich der Wein extrem schlecht, wobei dann manchmal mit Schönungsmitteln nachgeholfen werden muß, zum anderen muß der Wein extrem lange reifen (ein oder zwei Jahre) bis er annehmbar schmeckt. Aber dann ist er köstlich.

4. Orangenwein

Einen Wein aus Orangen setzt man analog zu anderen Obstweinen an. Pro Liter Gäransatz nimmt man 5 bis 7 Orangen, 400 bis 500ml Wasser und 160 bis 330g Zucker, je nachdem, ob es ein leichter oder schwerer Wein werden soll. Die Orangen werden ausgepreßt oder zu Maische gemahlen. Das Ganze wird wie üblich mit Hefe und Gärhilfsstoffen angesetzt und wie bei anderen Obstweinen vergoren.

5. Pfirsichwein

Pro Liter Ansatz werden 1kg Pfirsiche, 250ml Wasser, 500g Zucker, 5g Zitronensäure, 4ml Antigel, 0,3g Hefenährsalz und Hefe (Reinzuchthefe Tokajer) benötigt. Es wird eine Maischegärung analog zu den anderen Rezepten durchgeführt. Dabei dürfen auf keinen Fall Steine zerstört werden oder in den Ansatz gelangen. Wenn man sie bekommen kann, sollte man einmal rote Pfirsiche ausprobieren, eine jedoch sehr selten gewordene Sorte mit intensiv rotem Fruchtfleisch. Der Wein hat hinterher eine Farbe wie ein alter Burgunder.

6. Pflaumenwein

Für diesen Wein benötigt man pro Liter Ansatz etwa 1kg Früchte, 500ml Wasser, 400g Zucker, 3g Zitronensäure, 1ml Antigel, 0,1g Hefenährsalz und Hefe (Reinzuchthefe Portwein). Es erfolgt eine Maischegärung analog zu den anderen Rezepten, wobei unbedingt darauf zu achten ist, daß keine Steine zerstört werden oder in den Ansatz gelangen.

7. Preiselbeerwein

Je nach gewünschter Schwere des Weines verwendet man pro Liter Gärgut 500 bis 600g Preiselbeeren, 200 bis 400ml Wasser, 140 bis 360g Zucker und 200ml Preiselbeersaft. Der Preiselbeersaft, den man aus nochmals ca. 400 bis 500g Preiselbeeren preßt, versetzt man mit Hefe und läßt ihn einige Tage vorgären.

Die übrigen Beeren werden danach mit zwei Dritteln der Wassermenge gekocht und nach dem Abkühlen eingemaischt (evtl. 1ml Antigel pro Liter zusetzen). Nach einer Nacht wird die Maische abgeseiht bzw. leicht ausgepreßt. Der Zucker wird im erwärmten Restwasser ausgelöst und mit der Maische, dem gärenden Fruchtsaft und 0,4g Hefenährsalz pro Liter in den Gärbehälter gegeben, mit einem Gäraufsatz verschlossen und wie andere Beerenweine vergoren.

8. Reineclaudenwein

Reineclauden (auch Ringelotten genannt) sehen wie grüne Pflaumen aus und liegen geschmacklich zwischen Mirabellen und Pflaumen, allerdings mit intensiverem Geschmack. Sie werden, wie alle Steinobstsorten, als Maische vergoren, wobei es gilt, daß keine Steine beschädigt oder gar in den Ansatz gelangen dürfen, weil sie giftige Blausäure enthalten und außerdem der Bittermandelgeschmack und -geruch nicht mehr weggeht. Pro Liter Ansatz benötigt man 500g Fruchtfleisch, 500ml Wasser, 500g Zucker, 0,5g Zitronensäure, 0,5ml Antigel, 0,1g Hefenährsalz und Hefe (Reinzuchthefe Portwein). Die Herstellung erfolgt analog zu anderen Maischegärungen.

9. Reiswein oder Getreidewein

Auch aus Reis oder Getreide läßt sich ein Wein herstellen. Ein Gerstenwein ist aber nicht identisch mit Bier! Zunächst muß man berücksichtigen, daß das Fassungsvermögen des Gärbehälters bei der Herstellung solcher Weine mindestens doppelt so groß sein muß wie die angesetzte Flüssigkeitsmenge, da es sich um eine stärkehaltige Maischegärung handelt, die sehr hoch aufschäumt.

Pro Liter Gäransatz verwendet man 250g Reis oder ein anderes Getreide. Dieses wird grob geschrotet. Ferner werden pro Liter Wein 200g Zucker, 900ml Wasser, 0,6g Milchsäure oder 0,5g Zitronensäure, 0,4g Hefenährsalz und die zuvor in Apfelsaft vermehrte Hefe (Reinzuchthefe, Rasse Steinberg oder Tokaj) analog zu den übrigen Rezepten mit dem Getreide angesetzt und mit einem Gäraufsatz verschlossen. Während und nach der Gärung verfährt man wie üblich.

10. Rhabarberwein

Beim Bereiten von Rharbarberwein sind einige Besonderheiten zu beachten. So enthält Rhabarber u.a. Oxalsäure, deren schwer lösliche Salze bei übermäßigem Genuß zur Bildung von Nierensteinen beitragen. Für einen Wein benötigt man je nach Schwere pro Liter Ansatz 600g Rharbarber, 550 bis 700ml Wasser und 160 bis 360g Zucker.

Zusätzlich benötigt man noch mehr Wasser, welches zum Kochen gebracht wird. Damit wird der Rharbarber überbrüht, und dieses Wasser wird sofort abgegossen. Danach werden zwei Drittel der angegebenen Menge kochendes Wasser über den Rharbarber gegossen, welcher nach dem Abkühlen eingemaischt wird. Am nächsten Tag wird die Maische abgepreßt. Der Zucker wird im warmen Restwasser aufgelöst und mit Maische, Gärhelfer und Hefe in den Gärbehälter gegeben. Die Gärung erfolgt dann wie üblich.

Nach Beendigung der Gärung gibt man pro Liter Wein 1,2 bis 1,6g pulverisierte, gereinigte Schlämmkreide oder Calciumcarbonat (Kohlensaurer Kalk) messerspitzenweise hinzu. Drei bis vier Tage später hat der Wein kleine Kristalle ausgefällt, die man vom Boden abzieht. Diese Kristalle sollten nicht im Wein verbleiben oder mitgetrunken werden, denn es handelt sich hierbei um kristalline Oxalsäure, die gesundheitsschädlich ist (s.o.) und auf diese Weise aus dem Wein entfernt werden kann.