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Breie

Findige Menschen Altasiens & Altamerikas, mit hellsichtigen Augen prüfend und schauend, erkannten die förderlichen Bedingungen regen Wachstums ihrer bevorzugten Auswahl nahrungswürdiger Pflanzen. "Die Guten ins Töpfchen - die Schlechten ins Kröpfchen" will heißen: üppige & solide Früchte wurden offentsichtlich hochwertig geschätzt & fleißigst geerntet - schwächlicher & dürftiger Wuchs wurden bewußt dem natürlichen Prozeß modernder Vergänglichkeit übereignet oder der gefräßigen Meute wilder sowie domestizierter Tiere.

Nach & nach, über Jahrtausende hinweg, wuchs stetig das notwendige Wissen der alteuropäischen Menschen, um die Kultivierung einheimischer sowie fremdländischer Grasgewächse, zunächst im klimatisch begünstigteren Mediterranien, später nach lang währendem Forschen auch nördlich der Alpen & noch später im kargen skandinavischen Raum.

So präsentiert sich im mittelalterlichen Europa eine bunte Palette an die unterschiedlichsten Klimata angepasster Getreidesorten, wie Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse, Roggen & Weizen. Ein besonders edles Getreide blieb der teure Reis, welcher zunächst zusammen mit feinen Gewürzen aus den asiatischen Ländern wagemutig importiert wurde, bis arabisches Wissen das europäische Abendland mit hydroagrarischen Technologien wohlwollend bereicherte.

Aus dem quirligen Reigen traditioneller Getreidegerichte dieser Art seien einige wenige sellvertretend herausgehoben:

Eine der einfachsten & wahrscheinlich auch ursprünglichsten Methoden:
Zum erfolgreichen Gelingen einer schmackhaften Breikreation muß notwendiger Weise eine beliebige Flüssigkeit erhitzt werden, welche von geschrotetem Korn gierig saugend eingedickt werden soll. Um die geschmacklichen Nuancen der unterschiedlichen Cerealien sinnlich zu erfahren, eignet sich unangefochten unser wichtigstes Lebensmittel: Wasser

Weiters sei die heiße Sache mit einfachen Zutaten abrundend verfeinert. Es bieten sich an:
Salz, Honig, brauner Zucker, Essig, süße & saure Sahne, Buttermilch, Butter, Schmalz, Öl, Speckgrieben. Oder frische Kräuter, liebevoll gezüchtet im behütetem Garten oder fachkundig gesammelt in saftiger Wildnis.

Es ist auch denkbar, den heißen Brei mit einem Mus geschmacklich anzureichern (aus dem Buch von Guter Speise):

Ein gebacken Mus von Fischen
Einen Barsch in Essig beizen, den mit Reismehl & Schmalz in Mandelmilch aufkochen & ziehen lassen, nicht versalzen.
Quittenmus
Quitten gar kochen, durch ein Sieb schlagen, mit Eidotter abrührenzuckern & nicht versalzen.
Apfelmus
Schöne Äpfel schälen & klein schneiden, in Wasser sieden, mit Wein, Schmalz & Eiern legieren, nicht versalzen.
Mandelmus
Weißbrotwürfel in Mandelmilch aufwallen lassen, Apfelwürfel in Schmalz rösten & über's Mandelmus geben.
Veilchenmus
Dicke Mandelmilch mit Reismehl gut abrühren, genügend Schmalz hineintun, mit Veilchenblüten gut färben.
Nußmus
Nußkerne klein stoßen, mit einer süßen geronnenen Milch durch ein Tuch schlagen, eine Semmel bröseln & darin kochen dazu: genügend Schmalz, mit Eidottern abrühren, mit Safran färben.
Birnenmus
Geschnittene Birnen in Wein & Schmalz kochen, durch ein Tuch schlagen, mit Eidottern abrühren, Gewürze darauf streuen.
Kirschenmus
Weichselkirschen mit wenig Wasser kochen, mit Semmelbröseln durch ein Tuch schlagen, aufwallen lassen, Schmalz dazu geben, mit Eidottern verühren, beim Anrichten Würze darauf streuen.
Ein Weichselkirschenkompott
Weichselkirschen in eigenem Saft sieden, abkühlen lassen, durch ein Tuch schlagen, in einen gepichten Topf schütten, dazu: Honig & Galgant, wer es sogleich essen will, würze es nicht.

Eine andere Variante besteht darin, das grobgemahlene Getreide in einem Fett (Butter, Öl, Schmalz, Speck) anzurösten, & die ganze Sache mit einer Würzbrühe abzulöschen & aufzukochen (ebenfalls aus dem Buch von Guter Speise):

Ein Würzbrühlein
Rindfleisch in einer fetten Brühe kochen, dazu: Salz, Schalotten & viel Minze .
Swallenbergs Sauce
Wein mit Honig kochen, dazu: mehr zerstoßenen Ingwer als Pfeffer, nicht allzuviel Knoblauch zerstoßen, kochen lassen.

Hier sei nun noch eine Möglichkeit beschrieben, die sich sich aus meinen Experimenten zu entwickeln begann. Eine schnelle & billige Sache, die innerhalb von einer guten viertel Stunde einer Person sättigenden Genuss bringen kann. Das Grundprinzip ist denkbar einfach:

Hier nun meine Favoriten; es sind dies keine historischen Gerichte, hätten aber durchaus in historischen Zeiten so zubereitet werden können:

Aus: Culinaria Antiqua