Home > Rezepte > Suppen I | Suppen II

Olla Potrida I

Deutschland, 16. Jhd.

12 Portionen

Diese Suppe, deren spanischer Name soviel wie "fauliger" oder "fauler Topf" bedeutet, ist ein Eintopf, der eine Art gedrängter Wochenübersicht zu liefern scheint. Jedenfalls ist er bestens geeignet, alle Fleisch- und Gemüsereste der Woche aufzunehmen. Man kann ihn aber selbstverständlich auch frisch zubereiten und erhält dann ein vielseitiges, je nach Jahreszeit oder Geldbeutel oder eigenem Geschmack variables Gericht. Das folgende Rezept für diesen ungemein verbreiteten Eintopf stammt aus Marx Rumpolts Kochbuch von 1581, und der Autor nennt zuvor neunzig einzelne Zutaten:

Nimm eine weite, verzinnte Fischkasserolle, bereite Kräuter und Fleisch schön nacheinander und stückweise vor, gebratenes oder gekochtes, wie zuvor beschrieben, daß man Gebratenes und Gekochtes miteinander vermengt. Grüne Kräuter kleingehackt, geriebenes Brot, Parmesankäse, kleingeschnittener Knoblauch und das bemehlte Gewürz werden durcheinander gemengt, (aber so,) daß es nicht verklumpt. Wenn alles zubereitet ist, nimm die Rinder-, Hühner- und Kapaunenbrühe, die nicht zu stark gesalzen ist, und seihe sie durch ein Tuch darüber. Tu auch eine Mehlschwitze darüber, setzt es auf Kohlen, nicht auf ein brennendes Feuer, damit es nicht anbrennt. Und paß auf, daß du es nicht verkochen läßt, damit du jedes Stück extra in einem Teller anrichten kannst. Und eine solche Speise kannst du auf zehn oder zwölf Tellern anrichten oder auf einem einzigen. Und ein Koch muß sehr geschickt sein, um alles (rechtzeitig) zusammenzubringen. Wer es anrichten will, muß zwei oder drei Tage zuvor anfangen, damit er alles zusammenbringt und sauber zurichtet, daß es wohlschmeckend und nicht versalzen wird. Darum nennt man es Olla Potrida, weil vieles hineinkommt, und es ist gut für König und Kaiser, für Fürsten und Herren.

Marx Rumpoldt: Ein New Kochbuch (139), 1581, aus: Ehlert, Kochbuch

Olla Potrida II

Olla Potrida III

Aus: Fahrenkamp, Mannsbild

Olla Potrida IV

Deutschland, 16. Jhd.

Aufgetragen wird dieser Eintopf in ausgehöhlten Semmeln oder kleinen Broten, die man sich extra dafür vom Bäcker backen lassen kann. Die Brotkrume findet dann Verwendung in dem Eintopf.

Anmerkung: die oben erwähnten 90 Zutaten des Orginalrezeptes sind:

  1. gesottenes Rindfleisch
  2. gesottenes Schweinefleisch
  3. gesottener Schweinerücken
  4. gesottener Schweineschwanz
  5. gar gesottene Schweineohren
  6. gebratene Würste
  7. vorsichtig gesottene Leberwurst
  8. gesottene Zirwonada (eine Art Wurst)
  9. gebratene Kapaunen
  10. halb gesottene Kapaunen
  11. gebratene Rebhühner
  12. halb gesottene Rebhühner
  13. halb gar gebratene Haselhühner
  14. halb gar gesottene Haselhühner
  15. halb gar gebratener Fasan
  16. halb gar gesottener Fasan
  17. halb gar gebratene Hattele (dünne Scheiben aus der Hinterhaxe) vom Kalb
  18. gar gebratene Hattele vom Rind
  19. halb gar gebratene Kalbswürste
  20. nicht gar gesottenes, geräuchertes Rindfleisch
  21. nicht gar gesottenes, geräuchertes Kalbfleisch
  22. nicht gar gesottene, geräucherte Hennen
  23. nicht gar gebratene Gänse
  24. halb gar gebratene Enten
  25. gesottene Enten
  26. nicht verbratene Krammetsvögel
  27. verschiedene gebratene kleine Vögel
  28. verschiedene gesottene kleine Vögel
  29. gesottene Krammetsvögel
  30. nicht versottene Knorren (Beinfleisch) vom Kalb
  31. gesottenes Hammelfleisch
  32. gar gebratenes Hammelfleisch
  33. am Spieß gebratene Kutteln
  34. geschnittene, gesottene Gelbe Rüben
  35. gequellter, ausgedrückter Spinat
  36. gequellte weiße Steckrüben
  37. nicht gar gebratene Hasen
  38. gequellte weiße Wasserrüben
  39. nicht gar gebratener Auerhahn
  40. nicht gar gebratener Indian (Puter)
  41. gebratener Birkhahn oder -henne
  42. gesottener Birkhahn
  43. gebratene Trappen
  44. gesottene Trappen
  45. im Saft gebratene junge Hühner
  46. gesottene junge Hühner
  47. nicht verbratener Hirschbraten
  48. im Saft gebratener Rehbraten
  49. nicht verbratener Schweinebraten
  50. gequellte Petersilwurzeln
  51. allerlei geschnittene Kräuter
  52. ein wenig Knoblauch
  53. Oreganokraut
  54. geriebener Parmesankäse
  55. geriebenes Roggenbrot
  56. nicht versottenes geräuchertes Schweinsfleisch
  57. gequellter Weißkohl
  58. gequellter Weißkohlsalat
  59. gesottene Hirschohren
  60. nicht gar gesottene Lämmerfüße
  61. nicht gar gesottene Hammelfüße
  62. nicht versottene geräucherte Kälberfüße
  63. nicht versottene Ochsenfüße
  64. nicht versottenes geselchtes Lammfleisch
  65. nicht gar gesottenes Lammfleisch
  66. geräuchertes Ziegenfleisch
  67. gesottenes Ziegenfleisch
  68. ganzer Pfeffer
  69. Muskatblüte
  70. gestoßener Pfeffer
  71. Ingwer
  72. Safran
  73. Rinderlungenbraten
  74. Gemsenbraten
  75. Steinbockbraten
  76. gebratenes Murmeltier
  77. gesottenes Murmeltier
  78. gebratene Duckente
  79. gesottene Schnepfe
  80. gebratene Schnepfe
  81. gesottenes Spanferkel
  82. gebratenes Spanferkel
  83. gebratenes Kaninchen
  84. geräucherte Ochsenzunge
  85. gesottener, dann gebratener Kuheuter
  86. Schweinefüße und -ohren
  87. gequellter Grünkohl
  88. gequellte Pastinakenwurzel
  89. geschnittene gequellte Kohlrüben
  90. Bertramkraut

Marx Rumpoldt: Ein New Kochbuch (139), 1581, aus: Lutz, Herrenspeise