Mittelalterlich Kochen für Anfänger
Zu Vermeiden:
Denke daran, daß viele der Zutaten, die wir heute selbstverständlich verwenden, erst nach 1600 aus der Neuen Welt nach Europa kamen, oder erst später gezüchtet wurden. Dazu gehören:
- Kartoffeln (stattdessen Rüben oder Pastinaken verwenden)
- Tomaten
- Paprika
- Kakao und Schokolade
- Truthahn (außer bei spätmittelalterlichen Gerichten - Marx Rumpolt und einige elisabethanische Kochbücher haben Rezepte mit Truthahn)
- Auberginen (in Europa erst Anf. 17. Jh., im Orient früher)
- Blumenkohl (in Europa erst Ende 17. Jh., im Orient früher)
- Chicorée (als Zuchtform der Zichorie erst 18. Jh.)
- Erbsen - gepalt erst 17. Jh.
- Wirsing - 17./18. Jh.
- Spinat - Europa 16. Jh., Orient früher
- Vanille
Besondere Aspekte der mittelalterlichen Küche
Dies sind breite Verallgemeinerungen - nicht alle Perioden und Regionen weisen diese Charakteristika auf.
- Gewürze. Pfeffer, Ingwer, Zimt, Muskat, Galgant, Safran, Zibeben &c.
- Zucker wird oft als Gewürz in Desserts verwendet.
- Kräuter, auch einige ungewohnte. Petersil wird oft in großen Mengen verwendet. Koriander und Minze sind bei arabischen Gerichten üblich. Wurmkraut, Fenchelgrün, Raute, Ysop sind Kräuter, die in mittelalterlichen Rezepten Anwendung finden.
- Salatkräuter wie Rauke, Rübenkraut, Spinat.
- Die Verwendung von Essig oder Verjus.
- Die Verwendung von (Trocken-)Früchten (Johannisbeeren, Rosinen, Datteln) in Fleischgerichten.
- Die Tendenz, Fleisch, Gemüse und Brei in Fleischbrühe zu kochen.
- Die Verwendung von Mandelmilch (zerriebene Mandeln mit Brühe, Wasser und/oder Wein, ergibt eine dicke, weißliche Flüssigkeit, die verdünnt als Milchersatz an Fastentagen oder unverdünnt als Bindemittel und Verdicker verwendet wurde).
- Die Verwendung von Brotkrumen oder eingeweichtem Brot als Bindemittel und Verdicker.
Gewohnte Gerichte mittelalterlich erscheinen lassen
Selbst wenn Du keinen Zugang zu authentischen Rezepten hast, gibt es einige einfache Methoden, normale Gerichte mittelalterlicher erscheinen zu lassen.
- Keine Zutaten aus der Neuen Welt verwenden! (s.o.)
- Denke daran, daß der Gebrauch der Gabel als Eßgerät bis zum Spätmittelalter unbekannt war. Das Essen wurde für gewöhnlich in so kleine Stücke geschnitten, daß man es mit dem Löffel essen konnte, größere Stücke wurden mit dem Messer geschntten und mit den Fingern gegessen. Soßen wurden oft separat gereicht und die Stücke hineingetaucht; oder die Stücke wurden in einer Brühe gereicht, die dann wiederum mit dem Löffel gegessen werden konnte.
- Versuche, eine einfache mittelalterliche Soße (zB Knoblauch- oder Kamelin-Soße) mit einem simplen gebratenen Hühnchen oder anderem Fleisch.
- Einige Zutaten wurden zwar in der mittelalterlichen Küche verwendet, jedoch nur auf bestimmte Arten. Mittelalterliche Nudelrezepte sind entweder für gefüllte Ravioli in Brühe, oder Nudeln in Brühe mit Käse belegt. Eine Sahne- oder Tomatensoße für Nudeln ist NICHT mittelalterlich, aber es ist sehr einfach, ein passendes Nudelgericht zu bereiten.
- Pasteten sind mittelalterlich, ebenso quiche-artige Eiertorten. Fleischpasteten mit Johannisbeeren oder Datteln werden häufig erwähnt.
- Desserts? Viele mittelalterliche Menus deuten an, daß die Mahlzeit mit Nüssen, Orangen und gewürztem Wein beschlossen wurde. Vermeide Kuchen oder Gebäck mit Treibmitteln, aber Eierrahmpasteten, Apfelkuchen mit getrockneten Früchte, Obstschnitten &c. sind mittelalterlich.
Kochen für Vegetarier
Im Mittelalter gab es nur sehr wenige Vegetarier, außer besonders heiligen religiösen Figuren. Dennoch gibt es eine große Anzahl von vegetarischen Gerichten wegen der von der Kirche durchgesetzten Fasttagen an mehreren Tagen der Woche sowie der Fastenzeit. Es gab verschiedene Arten von Fasttagen: einige verboten alles Fleisch und alle Tierprodukte, während an anderen Milch und Eier erlaubt waren. Ein einfaches Quiche-Gericht mit Zwiebeln, Käse und Eiern erscheint in einigen mittelalterlichen Quellen als "Tarte für Quatember".